Im Osten der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf, am Rande einer der zum Rheintal hin abfallenden Niederbergischen Höhenterrassen, liegt der Ort Gerresheim. Die Lage im wasserreichen, durch bewaldete Höhen geschützten Pillebach-Tal sowie ein sehr fruchtbarer Lößboden sprechen dafür, dass sich schon vor der ersten urkundlichen Erwähnung in Jahre 870 hier Siedler niederließen.N_Tor
    Dieser Jahrhunderte später ausgestellten Urkunde nach wird auf einer kirchlichen Synode in Köln die Gründung eines hochadeligen Damenstiftes durch den fränkischen Adeligen Gerrich bestätigt. Es lag durchaus in der Tradition dieser Zeit, dass, er als letzter männlicher Nachkomme seines Geschlechtes Vermögen und Grundbesitz in eine kirchliche Stiftung einbrachte. Als erste Äbtissin wird seine Tochter Reginbirg genannt.
Als eine der ältesten christlichen Gründungen im Niederbergischen Land hat das Stift schon in seinen Anfängen eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Es erlebte einige Jahrzehnte ungestörten Ausbaues und die Gründung einer Kleinen Ansiedlung unmittelbar am Rande ihres Besitzes.
Gerresheim blieb dank seiner abgelegenen Lage im Pillebach-Tal und weitab aller Straßen von den Normannen verschont, die gegen Ende des 9. Jahrhunderts mehrfach mit ihren Schiffen zu Raubfahrten den Rhein hinauf fuhren
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    Trotz der geschätzten Lage erlitt das Stift aber nach etwa 50jährigem Bestehen einen fast vernichtenden Schlag. Das Reitervolk der Ungarn drang bei seinen Raubzügen auch bis an den Rhein vor. Bei einem dieser Unternehmen, von denen die zeitgenössischen Chroniken und Annalen immer wieder berichten, haben die Ungarn, wahrscheinlich im Jahre 920, mit einer kleinen Streifschar auch das Stift Gerresheim überfallen. Die Gebäude wurden eingeäschert, die männlichen Bewohner erschlagenKirche oder verschleppt, der gesamte Besitz geraubt. Nur die Äbtissin Lantswind konnte mit den Überlebenden Kanonissen und unter Mitnahme der Reliquie des Stiftspatrons, des heiligen Hippolyt, nach Köln fliehen. Die Flüchtlinge fanden hier eine Unterkunft. Der Erzbischof wies ihnen 922 das seit einem Normannen-Überfall zerstört vor den Toren der Stadt liegende Stift St. Ursula als neuen Sitz zu. Ein Priester und einige wenige Kanonissen kehrten etliche Jahre später, die Reliquie sogar erst im Jahre 1953 nach Gerresheim zurück. Etwa ein halbes Jahrhundert dauerte es dann, bis hier Kirche und Stiftsgebäude wieder errichtet waren. Sie wurden 970 durch den Erzbischof von Köln neu geweiht. Spätestens ab 977 hatte Gerresheim das Recht, Zoll zu erheben.
     Dieses Recht bestand darin, dass von den Waren, die am Ort zum Verkauf kamen, eine Abgabe erhoben werden durfte. Durch Kauf und Tausch, vornehmlich aber durch Schenkungen, erwarb das Stift in den folgenden Jahrhunderten einen beträchtlichen Grundbesitz, der im Raum zwischen Wesel und Linz am Rhein, der unteren Erft, auf dem linken Rheinufer und Radevormwald im Oberbergischen Land verstreut lag. Neben zwölf großen Höfen besaß das Stift auch eine ansehnliche Anzahl einzelner Grundstücke, zumeist in der näheren Umgebung. Ein deutliches Zeichen für die wirtschaftliche Kirche1aStärke des Gerresheimer Stifts im 13. Jahrhundert ist die Erbauung einer neuen großen Stifts- kirche. Sie zählt zu den bedeutendsten Bauten des so genannten Rheinischen Obergangsstils von der Romanik zur Gotik nördlich von Köln. Der Bauforschung und der urkundlichen Überlieferung nach ist sie in 34jähriger Bau- zeit entstanden.
Das Weihejahr war 1236. Unmittelbar südlich der großen Stiftskirche stand die weit bescheidenere Pfarrkirche, die schon 1142 geweiht worden war. Möglicherweise ist es der Standort der Urkirche Gerresheims aus der fränkischen Zeit. Als sicher kann jedoch gelten, dass ab der Mitte des 13. Jahrhunderts, Jahrzehnte vor der Düsseldorfer Stadterhebung, in dem Ort zwei Kirchen gestanden haben. Dies deutet darauf hin, dass in Gerresheim um den Stift herum schon früh eine Ansiedlung erwachsen ist. Ihr Aufstieg, der zu Ende des 14. Jahrhunderts in der Erhebung zur Stadt gipfelte, hängt auch mit der mächtiger werdenden Stellung des Grafen von Berg zusammen. Quadenhof
    Für die Verwaltung ihres Besitzes und als Vertretung nach außen in weltlichen Angelegen- heiten bedurften die Kanonissen, wie alle geistlichen Institutionen, eines Vogtes. Über die Entwicklung dieses Amtes geben die erhaltenen Quellen nur geringe Auskunft. Es kann aber angenommen werden, dass seit der Mitte des 11. Jahrhunderts die späteren Grafen von Berg zunächst Vögte des Stiftes waren, die dann, als ihre Macht gewachsen war, das ursprünglich stiftische Vogtelrecht zur Landeshoheit erweiterten. Der Landesherr war es dann, welcher der ursprünglich stiftischen Marktsiedlung Stadtrechte verliehen hat. Es ist zwar nur das Privileg bekannt, mit dem Graf Wilhelm von Jülich-Berg am 5. März 1368 Gerresheim zur "Freiheit" erhob, die in ihm enthaltenen Bestimmungen entsprechen aber in so starkem Maße den Privilegien anderer bergischer Städte, dass Gerresheim, wenn auch noch nicht dem Namen, so doch seiner Verfassung nach, zumindest seit diesem Jahr eine Stadt gewesen sein muss.
Spätestens im Jahre 1390 ist Gerresheim dann eine Stadt im vollen Rechtssinne geworden, denn seit dieser Zeit wurden ihre Urkunden durch einen vollständigen Magistrat, der aus Bürgermeister, Schöffen und Rat bestand, ausgestellt. Selbst eine eigene Münze wurde geschlagen.
Aus den Urkunden der nachfolgenden Zeit und durch archäologische Forschungen lässt sich der allmähliche Ausbau der Stadt rekonstruieren. Etwa halbkreisförmig war nach Westen hin die Stadtmauer mit zwei vorgelagerten tiefen Gräben und vier Toren angelegt. Die Länge dieser Umwehrung betrug rund 450 Meter. Auf eine durchgehende Mauer an der Ostseite wurde verzichtet.
   Hier fühlte man sich durch die Sümpfe im Pillebachtal und durch die Anlage des Quadenhofs ausreichend gesichert. Diese Wasserburg, eines der wenigen gut erhaltenen profanen Backsteinbauwerke des Spätmittelalters im Bergischen Land, wurde durch Godert von Brolchhausen als Offenhaus der Herzöge von Berg um 1430 errichtet. Ihren Namen erhielt die Anlage von den späteren Besitzern, den Herren von Quad.
Auch das Bestehen eines zweiten geistlichen Instituts am Orte, des Klosters Katharinenberg, lässt auf eine gewisse überörtliche Bedeutung von Gerresheim schließen. Das Kloster, in dem bis 1834 Franziskanerinnen lebten, bestand eindeutig ab dem Jahre 1465. Der Südflügel aus dem 17./18. Jahrhundert steht heute noch. In ihm befindet sich die städtische Bezirksverwaltung. WallgrabenUm 1500 dürfen wir uns Gerresheim als Städtchen vorstellen, das zwar nur etwa 500 Einwohner hatte, aber mit seiner Stadtmauer und den vier Stadttoren, vor allem aber mit seinen großen Kirchenbauten und dem Quadenhof, ein eindrucksvolles Bild geboten hat. Gerresheim stand um diese Zeit in der Blüte seiner Geschichte. Als Mittelpunkt einer ausgedehnten Stiftswirtschaft herrschte in dem Städtchen ein nicht unbeträchtlicher Marktverkehr.
Für die zentrale Bedeutung des Ortes als Marktstätte spricht z. B. die weite Verbreitung des "Gerresheimer Maßes", eines Getreidemaßes, das vom Oberbergischen Land bis auf das linke Rheinufer in Gebrauch war. Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts hinein nahm Gerresheim als Stadt einen zwar bescheidenen, aber stetigen Aufstieg.
    In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts setzte dann aber ein Niedergang ein, von dem das Städtchen sich bis weit in das 19. Jahrhundert hinein nicht mehr erholen sollte. Das mag mit dem Aufstieg Düsseldorfs zur Residenzstadt und der allgemeinen Verarmung des Adels, aber auch mit dem vernichtenden Stadtbrand vom 15. Juli 1568 zusammenhängen, dem zwar nicht das Stift, aber das Kloster Katharinenberg, Gerresheimdas Rathaus, die Wohnung des Pfarrers, 2 Stadttürme, 21 Wohnhäuser und 11 Scheunen zum Opfer fielen. Die Eroberung des Ortes durch Truppen des Gebhard Truchseß von Waldburg im so genannten Truchsegschen Krieg 1586 tat ein übriges, das wirtschaftliche Leben in Gerresheim zum Erliegen zu bringen. Ein weiterer Stadtbrand im Jahre 1605 und mehrfache Überfälle im Dreißigjährigen Krieg brachten neue Not und Armut. Im Februar 1635 plünderten zum Beispiel 150 Schweden in Gerresheim und verschleppten acht Bürger. Wegen "kundbarer Armut” und “landeskundiger Unvermögenheit” der Bürger erhielt die Stadt 1656 sogar eine finanzielle Beihilfe vom Landesherrn. Dass der letzte Hexenprozess am Niederrhein 1738 ausgerechnet in Gerresheim stattfand, dokumentiert vielleicht auch den geistigen Rückschritt seiner Bürger in der Zeit der Aufklärung. 1775 wurden infolge der Verarmung auch die Stadtverfassung umgestaltet und der Magistrat abgeschafft, der nun durch eine einzige Amtsperson, einen Bürgermeister, ersetzt wurde.
    Die sehr bescheidenen Verhältnisse machten es möglich, dass danach ein Gastwirt dieses Amt als Nebenbeschäftigung ausüben konnte. Da 1797 in einer offiziellen Statistik in Gerresheim 600 Einwohner, 88 Häuser, 15 Pferde und 85 Stück Rindvieh gezählt wurden, dürfte er mit seinen Verwaltungsaufgaben leicht fertig geworden sein.
Am 12. September 1803 verfügte der Kurfürst von der Pfalz, gleichzeitig Herzog von Berg, die Aufhebung des Stiftes. Danach besaß Gerresheim keine Institution von überörtlicher Bedeutung mehr.Rathaus Es wurde endgültig ein bescheidenes, abseits von Durchgangsstraßen gelegenes Landstädtchen, von dessen einstiger Geltung nur noch die schöne Stiftskirche zeugte. Was nun die weitere Geschichte von Gerresheim im 19. und 20. Jahrhundert betrifft, so scheint sie auf den ersten Blick in Ansätzen ähnlich mancher anderen alten Siedlung im rheinisch-westfälischen Raum verlaufen zu sein.
Diese wurden im 19. Jahrhundert Industriestandorte und verschmolzen in den kommunalen Neugliederungen des 20. Jahrhunderts mit den benachbarten Großstädten. Und doch bietet die Geschichte Gerresheims in diesem Zeitraum noch manche Besonderheit, die eine Erwähnung verdient. Die Stadt zählte im Jahre 1809 gerade 869 Einwohner. Die Bevölkerung war traditionell katholisch. 1816 lebte nur ein nichtkatholischer Bürger in der Stadt. Neben dem Broterwerb durch Landwirtschaft und in kleinen handwerklichen Betrieben gab es kaum Möglichkeiten eines regelmäßigen Verdienstes.
    Der außerordentlich frühe Anschluss des Städtchens an das Eisenbahnnetz war es dann, der in der Folgezeit die weitere Entwicklung grundlegend ändern sollte. Gerade dieses abgelegene Gerresheim, an dem die Landstraße weit vorbeiführte, Altgerresheimlag nahe an der ersten Eisenbahnlinie Westdeutschlands, die am 20. Dezember 1838 von Düsseldorf nach Erkrath gebaut wurde und 1841 schon bis Elberfeld führte. Die Anschlussstelle, der Bahnhof, lag zwar fast zwei Kilometer vom Stadtkern entfernt auf der grünen Wiese. Seine Existenz hat aber dazu geführt, dass nun in wenigen Jahren eine kleine Anzahl von Fabriken in Gerresheim gegründet wurde. Nicht irgendwelche Bodenschätze bewirkten diese Gründungen, sondern die neu geschaffenen günstigen Verkehrsverbindungen.
Schon 1840 hatte ein Herr von Gahlen im ehemaligen Katharinenkloster eine Drahtstiftefabrik gegründet und 1845 begann der Elsässer Ignaz Dreher ebenfalls mit der Produktion von Drahtstiften. Er hat 1847 die erste Dampfmaschine in Gerresheim aufgestellt. Diese Maschine hat die bis dahin verwendete Wasserkraft als Antrieb für Eisenhämmer ersetzt, Man war dadurch vom Standort unabhängiger geworden.
     Es hatten also schon zwei Firmen Fuß gefasst, als sich dann ein ganz neuer Fabrikations- zweig inGermania Gerresheim ansiedelte. Der aus Bremen stammende Ferdinand Heye erwarb im Frühjahr 1864 vom Bergischen Schulfonds in der Nähe des Bahnhofs Gerresheim 18 Morgen Ackerland, auf denen er eine Glashütte errichtete. Ganz sicher haben die günstigen Verkehrsverbindungen zwischen den Abbaustellen der für die Glasherstellung notwendigen Rohstoffe und den wichtigen Absatzgebieten für Flaschen im Rheinland den Entschluss Heyes beeinflusst. In wenigen Jahren wuchs das Unternehmen. Es entstand nicht nur ein ausgedehnter Komplex von Fabrikationsstätten, sondern durch die Errichtung von Arbeiterwohnhäusern ein ganz neuer und anders gegliederter Stadtteil südlich des alten Zentrums.
     Die Gründung der Glashütte bedeutete nicht nur eine völlige Wandlung der überkommenen Verhältnisse am Ort, sondern war darüber hinaus noch mit Problemen verbunden, die in anderen Industriezweigen nicht so ausgeprägt waren wie gerade bei der Glasherstellung. Die Glasindustrie war nämlich weit stärker von der Qualität ihrer Arbeiter und deren Einsatzbereitschaft abhängig als andere Industriezweige. Nach dem Stand der damaligen Technik war es noch nicht möglich, vorauszusehen, wann der in großen Öfen langsam geschmolzene Rohstoff bearbeitungsfähig war. Daher mussten die Glasbläser Linie3Tag und Nacht auf Abruf bereitstehen.
Auch deshalb musste Ferdinand Heye zugleich mit den ersten Glashütten in unmittelbarer Nachbarschaft Arbeiterwohnun- gen errichten. Der neue Stadtteil entstand also zwangsläufig. Er hatte aber auch eine soziale Komponente. Einheimische, welche die Kunst des Glas- blasens verstanden, gab es nicht. Von weit her, aus Mittel- und Ostdeutschland und aus dem Baltikum, mussten die Facharbeiter herangeholt und in Gerresheim angesiedelt werden. Trotz ihrer geringen Bildung hatten diese Glasbläser ein ausgesprochenes Standesbewusstsein. Noch bis nach 1870 wurde streng darauf geachtet, dass ihre Söhne den Beruf des Vaters ergriffen. So kam es, dass jahrzehntelang eine scharfe Trennung zwischen den alteingesessenen "oberen" Gerresheimern und den "unteren" Neubürgern bestand.
      Sogar ein eigener, gegenüber der in Gerresheim üblichen rheinischen Mundart fremder Dialekt bildete sich heraus, das so genannte "Hötter Platt", das erst in unserer Zeit allmählich verschwindet. Dass die Spannung zwischen den Alteingesessenen und den Bewohnern des Hüttenviertels zeitweilig groß war und im Dritten Reich zu Razzien und politischen Verfolgungen in der Arbeitersiedlung eskalierte, ist nicht nur den starken sozialen und politischen Unterschieden, sondern zu einem Teil auch den konfessionellen Bindungen zuzuschreiben.
Dass das Jahrhunderte Benderstrasselang von dem Stift geprägte Städtchen noch um 1800 ganz katholisch war, wurde schon erwähnt. Die neu hinzugezogenen Industriellen und die Hüttenarbeiter gehörten fast ausschließlich der evangelischen Konfession an. Die erste evangelische Schule wurde im Quadenhof eingerichtet, bis die Familie Heye die Grundstücke für eine Kirche und für die Schule der Stadt schenkte und zu der Errichtung der Gebäude hohe Summen beisteuerte. Nach der Glashüttensiedlung entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Westen der Stadt, auf der Hardt, ebenfalls etwas abgesetzt, nach und nach eine dritte Ansiedlung, allerdings mit völlig anderer Grundhaltung. Hier, in unmittelbarer Nähe des Grafenberger Waldes, bauten sich mehr und mehr Düsseldorfer ein Domizil, um vor der wachsenden Hast der Großstadt zu fliehen und jenseits des Waldes wenigstens zu Hause Ruhe und Entspannung zu finden. So begann Düsseldorf in die Gemarkung Gerresheims hineinzuwachsen. Um die Wende zum 20. Jahrhundert hatte die Stadt Gerresheim rund 11.500 Einwohner. Durch die immer engere Berührung mit Düsseldorf war allmählich eine vielseitige Interessengemeinschaft erwachsen. Die Versorgung mit Gas, Wasser und Elektrizität von Düsseldorf aus, sowie der Anschluss an das Düsseldorfer Straßenbahnnetz haben dabei eine besondere Rolle gespielt.
     Im Jahre 1902 wurde die spätere Straßenbahnlinie 3 von Düsseldorf zum Bahnhof Gerresheim eröffnet. So war, noch ehe der politische Anschluss vollzogen war, Gerresheim schon wirtschaftlich eng mit Düsseldorf verbunden und Rosenbaumweitgehend von der Großstadt abhängig. Der politische Anschluss, der dann 1909 im Rahmen der größten Umgemeindungsaktion in unserem Raum vollzogen wurde, folgte dann fast zwangsläufig. Er fand nicht nur so gut wie keinen Widerstand in der Gerresheimer Bevölkerung, die auf rund 15.000 angewachsen war, sondern wurde sogar von einer eigens zu diesem Zweck gegründe- ten Bürgervereinigung nachdrücklich unterstützt.
Nach über 500jahren Selbständigkeit hatte die Stadt Gerresheim aufgehört zu bestehen. Die Gerresheimer erwarteten natürlich durch diesen Anschluss an Düsseldorf große Vorteile für ihren Stadtteil. So war Bedingung, endlich die so dringende Kanalisation und die Befestigung der bis dahin zum großen Teil bei Tau- und Regenwetter noch fast unpassierbaren Straßen zu erhalten. Im Laufe der nächsten Jahre verstärkte sich der Zuzug aus Düsseldorf infolge der günstigen Verkehrsverbindungen immer mehr, so dass nördlich des Ortes, auf dem Gallberg, eine weitere, besonders exklusive Villenkolonie entstand. Das Glashüttenviertel und die Wohngegend auf der Hardt sind heute durch zwei große Geschäftsstraßen, die Heye­ und die Benderstraße, mit Alt-Gerresheim verbunden.
       Beide enden, Gerresheim03_cverlängert um die Straßen "Kölner und Neusser Tor", am Gerresheimer Rathaus in unmittelbarer Nähe der Stiftskirche. An ihnen sind im Laufe der Zeit immer mehr moderne Geschäfte entstanden. Nach dem Kriege, den Gerresheim weitgehend un- beschadet überstand, wuchs der Ort durch neue Anwohner aus dem stark zerstörten Düsseldorf und durch die Eingliederung von Flüchtlingen aus den ehemaligen Ost- gebieten einwohner- und flächenmäßig rapide an. Entsprechend mussten Bildungsstätten und soziale Einrichtungen zusätzlich gebaut werden. So erhielt das Jungengymnasium eine neue großzügig konzipierte Bleibe, und ein Mädchengymnasium an der Gräulinger Straße wurde 1970 eingeweiht. Mit dem Bau eines eigenen Krankenhauses anno 1972 erfüllte sich ein langgehegter Wunsch der Gerresheimer Bürgerschaft. Einschneidende Veränderungen für den historischen Stadtkern erbrachten aber erst die Pläne zur Zentrumssanierung, die nach Jahrzehntelanger Projektierung und mehrfachen Änderungen dann ab 1988 endlich in die Tat umgesetzt wurden.
      Die Verlegung der Straßenbahn aus der Enge der Straßen Neusser Tor und Kölner Tor in den Wallgraben ergab Platz für eine Fußgängerzoneunteres_G und einen weitgehend auto- freien "Alten Markt", dem histori- schen Mittelpunkt der Bürgersiedlung. Denk- malgeschützte Häuser in privatem und öffentlichem Besitz wurden endlich vor dem Verfall gerettet und saniert, Baulücken geschlossen und der westliche Ortsein- gang durch zwei bei den Bürgern heiß um- strittene Riegelbauten architektonisch gestal- tet.
Wochenmärkte und Straßenfeste, eine breite Palette kultureller Veranstaltungen wie Kunstausstellungen, Konzerte und Vorträge sowie regelmäßige Führungen durch den mittelalterlichen Ortskern und in die ihn umgebene abwechslungsreiche und geschichts- trächtige Kulturlandschaft bringen nicht nur den Einheimischen die Lebendigkeit, Eigenständigkeit und Liebenswürdigkeit dieses Städtchens nahe.

                       Quelle - Bilder: Günter Behr - Text: Gaby und Peter Schulenberg

 

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